Unser Bewegungskonzept

Was genau zeichnet unser Bewegungskonzept für Frauen nach Mammakarzinom aus und warum liegt es uns so am Herzen speziell in diesem Themenbereich zu arbeiten?

Das sind zwei Fragen, die ich immer wieder gestellt bekomme und gerne erläutern würden. 🙂

Krebserkrankungen nehmen leider immer mehr zu. Jährlich werden bis zu 440.000 Neuerkrankungen gezählt, davon ca. je 75 000 Prostata-und Brustkrebs. Diese Zahlen sind sehr erschreckend, werden jedoch in Zukunft noch steigen.

Das Thema Mammakarzinom liegt mir sehr am Herzen, weil meinte Mutter, die Ärztin ist und mit mir die Gruppen speziell mit diesem Krankheitsbild betreut, selbst vor 10 Jahren an Brustkrebs erkrankt war. Viele Frauen fühlen sich nicht nur mental sondern auch körperlich oft sehr eingeschränkt und sind unsicher, wie und in welcher Dosis sie sich Sport zutrauen können.

In der Akut-und Nachsorgephase trägt Sport zur Krankheitsbewältigung bei und führt durch Spaß an der Freude zu einer Verbesserung der Funktionseinschränkung und Steigerung der allgemeinen Fitness. Berücksichtigt werden muss dabei jedoch, die Art der Krebserkrankung, die Behandlungsphase (Akut,Reha,Palliativ), der allgemeine körperliche Zustand, die sportliche Erfahrung und der individuelle Tageszustand.

Grundbausteine des Bewegungskonzepts sind neben Kraft und Ausdauer, zu denen ich gleich noch etwas schreiben werde, auch  Koordinations- und Mobilisationstraining, da hier ein sehr großes Defizit bei Patienten nach der Chemotherapie herrscht.

Die größten Erfahrungen haben wir mit Ausdauertraining nach einer Krebserkrankung (Brustkrebs und Darmkrebs 20-25 Jahre). Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die maximale Belastungsintensität durch Herzfrequenz,Atmung und subjektive Befindlichkeit kontrolliert wird.  Die maximale Herzfrequenz sollte nicht höher als 180-Lebensalter sein.

Die spezifischen Ziele des Ausdauertrainings, die wir verfolgen sind:

  • Minderung des Erschöpfungssyndroms
  • Stärkung der Lungenfunktion
  • Erhöhung des Hämoglobingehaltes
  • Verbesserung der Immunabwehr
  • Abbau von Streßreizen

Aber auch das Krafttraining ist ebenso von großer Bedeutung. Während der Akutphase gilt es, den Kraftverlust zu vermeiden und in der Rehaphase, die Kraft zu erhöhen.

Die spezifischen Ziele des Krafttrainings, die wir verfolgen sind:

  • Bekämpfung der Tumorkachexie
  • Bekämpfung der Osteoporose
  • Stärkung des Immunsystems
  • Erhöhung des Muskelanteils

Neben den vier Bausteinen, Ausdauer-,Kraft-, Koordinations- und Mobilitätstraining, haben wir auch Lymphdrainage in unser Konzept eingebaut. Jeder Teilnehmer kann das selbst,mit Hilfe der Smoveys, durchführen. Viele Teilnehmer leiden an einem Lymphödem und haben die Möglichkeit auch außerhalb einer Physiotherapie aktiv was daran zu verändern. Die Erfahrungen die wir nach mittlerweile 5 Jahren mit Smovey und Lymphödemen gemacht haben, sind sehr vielversprechend. Bestes Beispiel ist meine Mutter, denn auch sie litt nach ihrer Erkrankung an einem  Lymphödem und musste sehr oft mit einer geschwollenen Hand zurecht kommen. Seit Smovey ist es nicht mehr aufgetaucht :).

Neben den sportwissenschaflichen und medizinischen Aspekten ist der psychische Aspekt mindestens genauso wichtig.                                                                  images

Die Kurse finden deshalb in Kleingruppen, mit maximal 10 Teilnehmern, bei 60 Minuten, vorwiegend draußen in der Natur statt. Nicht nur, dass die Sonnenstrahlen einen positiven Effekt auf den Vitamin D-Spiegel haben, sondern auch das Bewegen in der Natur macht gute Laune 🙂 Meine Mutter, die Gynäkologin, betreut, wie oben bereits erwähnt, die Kurse aus ärztlicher Sicht. So möchten wir den Teilnehmern zusätzlich das Gefühl von Sicherheit geben.

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Je nach Jahreszeit versorgen wir die Teilnehmer mit ausreichend Wasser oder wenn es richtig kalt wird, mit warmen Tee. Bei schlechtem Wetter haben wir immer die Möglichkeit Räumlichkeiten zu nutzen.

Smoveys können die Teilnehmer, immer bei uns ausleihen 🙂

Es ist wundervoll zu sehen, wie sich die Teilnehmer im Laufe der Zeit auf positive Art und Weise verändern.  Nicht nur körperliche Veränderungen wie Verbesserung der Haltung sondern auch die psychische Veränderung wie, mehr Selbstvertrauen und mehr Selbstbewusstsein, was schlussendlich zu einer höheren Lebensqualität führt, sind das schönste Lob, was wir bekommen können 🙂

Verwendete Quellen:

BAUMANN, F.T. (2008): Ausdauertraining mit Krebspatienten. In: BAUMANN, F.T/ SCHÜLE, K. (HRSG.): Bewegungstherapie und Sport bei Krebs. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag Köln, S. 33-55

BAUMANN, F.T. (2008): Krafttraining mit Krebspatienten. In: BAUMANN, F.T. / SCHÜLE, K. (Hrsg.): Bewegungstherapie und Sport bei Krebs. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag Köln, S. 57-72

BAUMANN, F.T / ZOPF, E./ ELTER, T./ ZIMMER, P./ BEULERTH, W.B. (2012): Körperliche Aktivität und Sport bei Krebs. In: BAUMANN, F.T./ JÄGER, E./ BLOCH, W. (Hrsg.): Sport und körperliche Aktivität in der Onkologie, Berlin Heidelberg: Springer, S. 31-40

GERBER, B (2001): Einfluss von Umwelt, Ernährung und Lebensstil auf das Brustkrebsrisiko. In: Deutsche Ärzteblatt (24) (2001), S. A1612- A1619

 

 

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